Hessischer Bildungsserver / Bildungsregion Wiesbaden

Wie denkt ein Stamm? – Clanstrukturen verstehen lernen Soziallogik, Loyalitäten und ihre Auswirkungen auf die Bildungsarbeit

Thema Wie denkt ein Stamm? – Clanstrukturen verstehen lernen Soziallogik, Loyalitäten und ihre Auswirkungen auf die Bildungsarbeit freigegeben
Inhalt/Beschreibung

Familie, Verwandtschaft und soziale Netzwerke können für Menschen wichtige Quellen von Zugehörigkeit, Schutz und Orientierung sein. In bestimmten gesellschaftlichen Kontexten übernehmen Großfamilien, Verwandtschaftsnetzwerke oder clanähnliche Strukturen darüber hinaus Funktionen, die in Deutschland überwiegend staatlichen oder gesellschaftlichen Institutionen zugeschrieben werden. Daraus können Vorstellungen von Loyalität, Autorität, Verantwortung, Konfliktregelung und Ehre entstehen, die im schulischen Alltag auf institutionelle Erwartungen und individuelle Rechte treffen.
Die Fortbildung vermittelt grundlegendes Wissen über die Entstehung und Funktionsweise familien- und verwandtschaftsbasierter Sozialstrukturen. Dabei wird der Begriff „Clan" kritisch eingeordnet und von pauschalisierenden oder ethnisierenden Zuschreibungen abgegrenzt. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, „wie eine bestimmte Kultur denkt", sondern welche sozialen Logiken sich unter bestimmten historischen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen entwickeln können.
Anhand praxisnaher Situationen wird betrachtet, welche Bedeutung beispielsweise Loyalität gegenüber der Familie, hierarchische Autoritätsvorstellungen, kollektive Verantwortung, Geschlechter- und Generationenrollen sowie Vorstellungen von Ehre und Ansehen haben können. Zugleich wird herausgearbeitet, dass Menschen niemals ausschließlich durch Herkunft oder Familienstrukturen bestimmt werden und dass innerhalb vermeintlich homogener Gruppen erhebliche Unterschiede bestehen.
Für den schulischen Kontext wird insbesondere der Frage nachgegangen, was geschieht, wenn unterschiedliche Ordnungsvorstellungen aufeinandertreffen: Was kann hinter einem Konflikt stehen, der auf den ersten Blick als mangelnde Kooperationsbereitschaft erscheint? Welche Rolle können Eltern, ältere Geschwister oder weitere Familienangehörige bei Entscheidungen spielen? Wie können Fachkräfte reagieren, wenn familiäre Loyalität mit schulischen Regeln oder individuellen Bedürfnissen eines jungen Menschen kollidiert? Und wo liegen die Grenzen kultursensibler beziehungsweise sozialisationssensibler Betrachtung, insbesondere wenn Kinderrechte, Gleichberechtigung oder Schutz vor Gewalt betroffen sind?
Die Teilnehmenden erhalten einen Orientierungsrahmen, der ihnen hilft, Verhaltensweisen zunächst einzuordnen, ohne sie vorschnell zu bewerten oder kulturell zu erklären. Fallbeispiele aus Schule, Schulsozialarbeit und Beratung dienen dazu, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und konkrete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Die Online-Fortbildung verbindet fachlichen Input mit interaktiven Elementen und Reflexionsphasen. Eigene Erfahrungen und Fälle der Teilnehmenden können – unter Wahrung von Datenschutz und Anonymität – einbezogen...

Zu erwerbende Fähigkeiten und Fertigkeiten

Die Teilnehmenden erweitern ihre sozial- und sozialisationssensible Handlungskompetenz im Umgang mit Schülerinnen, Schülern und Familien, bei denen Großfamilie, Verwandtschaft oder andere kollektive Bezugsgruppen eine besondere Bedeutung haben.
Nach der Fortbildung können die Teilnehmenden familien- und verwandtschaftsbasierte Sozialstrukturen differenzierter einordnen und mögliche Funktionen von Loyalität, Autorität, Ehre, sozialer Kontrolle und gegenseitiger Verpflichtung besser verstehen. Sie lernen, zwischen kulturellen Zuschreibungen und tatsächlich beobachtbaren sozialen Dynamiken zu unterscheiden und eigene Deutungsmuster kritisch zu reflektieren.
Für herausfordernde Situationen im schulischen Alltag entwickeln sie konkrete Handlungsoptionen und Gesprächsansätze. Ziel ist eine professionelle Haltung, die Verstehen nicht mit Rechtfertigen verwechselt.

Themenbereich Umgang mit Konflikten und Problemen, Gewaltprävention
Fächer/Berufsfelder kein Fachbezug
Zielgruppe(n) Lehrkräfte, Lehrkräfte mit besonderen Aufgaben, Sozialpädagogische Fachkräfte
Schulform(en) Alle Schulformen
Veranstaltungsart Einzelveranstaltung
Bildungsregion Bildungsregion Wiesbaden / Rheingau-Taunus
Anbieter/Veranstalter
SSA Rheingau-Taunus-Kreis u. Wiesbaden
Jacqueline Robertz
Walter-Hallstein-Straße 3-7
65197 Wiesbaden
Fon: +49 611 8803-0 
Fax: +49 611 8803-466 
E-Mail: Fortbildung.SSA.Wiesbaden@kultus.hessen.de
Hinweis(e) Die Veranstaltung findet als Online-Seminar mit Zoom statt. Der Zugangslink wird nach Anmeldung per Mail an die Teilnehmenden verschickt.   Kooperationspartner: Rumi imPuls e.V.   Ansprechpartner: Alina Daria Schlesier
Dozentinnen/Dozenten Hanifa Haqani
Dauer in Halbtagen 1
Zeitraum 10.11.2026 14:00 bis 17:00
Kosten 0,00€
Ort Online, wird online durchgeführt, 00000 Online
Veranstaltungsnummer 0261812901
Interne Veranstaltungsnummer 51347029

Die Anmeldung zu dieser Veranstaltung muss über die Seiten der Akkreditierungsstelle erfolgen. Suchen Sie dort bitte nach Ihrer Veranstaltung (Veranstaltungsnummer: 0261812901) und folgen Sie den Anweisungen und Hilfen der Akkreditierungsstelle.

Vielen Dank.